Energie-Initiative Kirchberg e.V.
Initiative für den Raum Hohenlohe zur Verbreitung der erneuerbaren Energien
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Stellungnahme der Energie-Initiative Kirchberg e.V.

zum Inhalt des

Flyer Energie für die Zukunft,

Positionen der CDU/CSU – Bundestagfraktion, März 2013

M. Sturm,Wilhelm-Schrader-Str.10,74544 Michelbach an der Bilz, manfred.sturm@gmx.de

 

Die Energie-Initiative Kirchberg  widerspricht vielen in dem Flyer genannten
Behauptungen und Forderungen. Das angestrebte Ziel ist zu wenig
ambitioniert. Weichen werden falsch gestellt.
 
Unsere Einwände und Forderungen:

1.  Wir fordern für ganz Deutschland: Spätestens im Jahr 2050 nicht 80% sondern
100% erneuerbare Energie aus heimischen Quellen.
 
Dass und wie dies möglich ist, zeigt eine Studie der Zeitschrift Photon (10/2012,
Kurzfassung als Anlage). Erste Ergebnisse der aktuellen Studien des
Fraunhoferinstituts ISE bestätigen dies. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall u.a.
wollen das 100%- Ziel bis zum Jahr 2030 erreichen.
 
2.  Nur die Solar- und die Windenergie stehen auch in unsere Land nahezu
unendlich zur Verfügung. 
 
Dies gilt nicht für Wasserkraft, Biomasse und Geoenergie. Die wesentlichen Säulen
der Energiewende sind deshalb die Solar- und die Windenergie. Beide müssen
deshalb überall in unserem Land zügig weiter ausgebaut werden. Dass bedeutet:
Statt einer Deckelung eine deutliche Beschleunigung beim Ausbau!
 
3.  Es fehlt die Antwort auf die Frage nach der Langzeitspeicherung. Neue
Stromleitungen von Nord nach Süd lösen dieses Problem nicht.
 
Pumpspeicher, Druckluftspeicher und Batterien können nur als Kurzzeitspeicher
eingesetzt werden. Die Sicherung der Stromversorgung über mehrere Wochen ist
nur über die Verstromung von Gas möglich. Da Biogas dafür nicht ausreicht:
Gaserzeugung aus überschüssigem regenerativem Strom (Power to Gas). Dieses
Verfahren ist keine ferne Zukunftstechnologie. Audi beginnt demnächst damit.
Schon in wenigen Jahren kann diese Methode der Gaserzeugung (Methanisierung)
eine Standardtechnik sein und überall in ganz Deutschland, wo Wärme benötigt
wird, in Form von kleinen Anlagen dezentral eingesetzt werden. Das bestehende
Gasnetz kann heute schon Gas für mehrere Monate speichern. Weitere
Gasspeicher sind relativ einfach zu realisieren. Daraus folgen zwingend die beiden
nächsten Forderungen:
 
4.  Wesentlich geringerer Netzausbau als von der Netzagentur aktuell geplant. 
 
Auch wenn eine geringe Verstärkung des Gasnetzes erforderlich ist, bedeutet dies
riesige finanzielle Einsparungen. Hinzu kommt die Vermeidung von Konflikten.
 
5.  Keine neuen Kohlekraftwerke, nur noch neue Gaskraftwerke.
 
Die Aufteilung in Spitzen-, Mittel- und Grundlast macht keinen Sinn mehr. Wenn
mehr regenerativer Strom zur Verfügung steht als aktuell benötig wird, müssen alle anderen Kraftwerkeabgeschaltet werden. Mit dem dann noch verbleibenden
Stromüberschuss wird Gas erzeugt. Kohlekraftwerke passen nicht in dieses
System, da sie nicht schnell genug herauf- und heruntergefahren werden können.
Wegen der Eigenschaften der beim Bau eingesetzten Werkstoffe gilt: Je höher der
Wirkungsgrad eines Kohlekraftwerks ist, umso schlechter ist es regelbar.
 
6.  Die energetischen Bauvorschriften müssen so verschärft werden, dass nur
noch Passivhäuser gebaut werden. Nur noch Energieplushäuser.
 
Unsere Energieverschwendung beim Heizen und die riesigen Ausgaben unserer
heutigen Förderprogramme für das nachträglich Isolieren hätten wir nicht, wenn in
der Vergangenheit, durch Bauvorschriften geregelt, besser gebaut worden wäre.
 
7.  Gesetzliche Vorgaben für einen möglichst geringen Energieverbrauch von
Elektrogeräten ersetzen Beratungen zum Absenken des Energieverbrauchs. 
 
Wenn nur noch effiziente Elektrogeräte hergestellt werden, fallen wie bei allen
Massenproduktionen ihre Preise. Sie werden für jedermann bezahlbar.
 
8.  Auch wir fordern, dass der Strom auch für Personen mit niedrigem
Einkommen bezahlbar sein muss.
 
Dieses Problem  kann der Gesetzgeber auf verschiedene Weise kostenneutral
lösen ohne eine Deckelung der erneuerbaren Energien. Erster Vorschlag:  Die
zusätzliche Mehrwertsteuer, die der Staat über die der EEG-Umlage einnimmt, wird
auf alle Hartz4Empfänger gleichmäßig verteilt. Zweiter Vorschlag:  Einführung eines
nicht linearen Stromtarifs. Ab einem bestimmten Grundverbrauch wird jede
zusätzliche kWh teurer als die vorher gehende.
 
9.  Das EEG muss in seiner bisherigen Fassung für Anlagen an Land erhalten
bleiben. Vorrang von Onshorewindrädern!
 
Die heutige Höhe der EEG-Umlage wird im Wesentlichen durch Anlagen bedingt,
die vor 2012 gebaut wurden. Die Mehrkosten durch neue Onshorewindräder und
neue Fotovoltaikanlagen sind gering und bei der richtigen Sozialpolitik von
jedermann verkraftbar. Eine deutliche Erhöhung der EEG-Umlage ist bei einem
starken Ausbau der Offshorewindräder zu erwarten. Deshalb: Vorrang für
Onshorewindräder.
Die Vorrangregelung für erneuerbaren Strom muss erhalten bleiben. Nur so können
Investoren verlässlich planen und ihre Risiken richtig bewerten.
 
10. Sofortiger vollständiger Ausstieg aus allen direkten und indirekten Förderun-
gen der Kernenergie (Euratom, Iter, Hermesbürgschaften,..), der CCS-Technik
und dem Fracking.
 
Über Power to Gas stellen wir unsere Gasversorgung bis spätestens 2050
vollständig auf regenerativ erzeugtes Methan um. In der Übergangszeit steht
genügend bezahlbares fossiles Erdgas bereit. Es besteht keinerlei Grund dafür, die
mit dem Fracking verbundenen Risiken ein zu gehen.
Eine vollständige regenerative Energieversorgung benötigt keine CCS -Technik.
Über Biomasse (Humusaufbau im Boden) kann das nach der vollständigen
Energiewende noch anfallende CO2 (Zementherstellung,..) der Atmosphäre
entzogen werden. Es kann sogar ihr CO2-Gehalt auf 350 ppm reduziert werden. 


  

100%-ige  Selbstversorgung von Deutschland

beim  Strom durch Erneuerbare Energien    !!

 
Zusammenfassung eines Artikel der Zeitschrift Photon durch die Energie-Initiative Kirchberg e.V.
Manfred Sturm, manfred.sturm@gmx.de    
 
Die Zeitschrift Photon stellt in ihrer Ausgabe 10/2012 ein Energiekonzept für eine
Umstellung  auf 100% regenerativen Strom vor, das  bis zum Jahr 2050 oder auch schon
vorher realisiert werden kann. Die entscheidenden Punkte:
Den bei weitem größten Beitrag liefern nach der Umstellung  Fotovoltaikanlagen und
Windräder an Land. Andere Stromquellen wie Biomasse und Wasserkraft spielen eine so
geringe Rolle, dass sie bei dem Konzept weggelassen werden konnten. Dies gilt auch für die
Windräder im Meer.  Bei allen Wirkungsgraden (Fotovoltaikanlagen, Windräder, Elektrolyse,
Methanverstromung) wird von den heutigen Werten ausgegangen.  Das Solar- und
Windpotential an Land in Deutschland ist so groß, dass der ganze Strom in Deutschland
erzeugt werden kann. Solarstrom ist bereits ab 2020 die billigste regenerative Stromart.
 
Wichtigste Voraussetzung des Konzeptes ist, dass die 100%-ige und nicht die 80% (90%)-ige
Versorgung mit regenerativem Strom erreicht werden soll. Daraus folgt: Keine neuen
Kraftwerke, auch keine Gaskraftwerke. Dafür aber: Speicherung von Windgas und BHKW-
Ausbau.
 
Die Studie von Photon hat die vollständige ganzjährige Stromversorgung durch regenerativen
Strom auf Grund der Daten von 2009 simuliert. Dabei ging es entscheidend um die Frage: Wie
viele Speicher brauchen wir dazu? Ergebnis: wir brauchen am wenigsten Speicher, wenn wir
75% des Stroms durch Windräder und 25% durch Fotovoltaikanlagen erzeugen. Entscheidend
für die Antwort ist dabei, ob wir an sehr guten Tagen auch noch die letzte kWh für die
Stromversorgung speichern wollen. Dies macht aus Kostengründen keinen Sinn. Photon
schlägt deshalb vor, auf ca. 10% des erzeugten Stroms bei der Stromversorgung zu verzichten
(Energiemanagement). Dieser Teil kann als Wärme genutzt werden. Gespeichert wird nur
über Pumpspeicherkraft-werke (kaum ausbaubar) und  Methan (Power to Gas). 
 
Unter Voraussetzung der oben genannten Angaben (angenommener Strombedarf  in
Deutschland wie im Jahr 2009: 460 TWh) nach der 100%-igen Umstellung:
Es werden 655 TWh regenerativer Strom erzeugt. Davon kommen 460 TWh beim Endkunden
zum Verbrauch an. Die Verluste setzen sich folgendermaßen zusammen: Energiemanagement
66 TWh, Pumpspeicherkraftwerke  3TWh, Power to Gas 80 TWh, Methanverstromung 46
TWh. Als Speicher dient vor allem das heute schon vorhandene Gasnetz, das genügend
Kapazität besitzt. Als neu zu bauende Power to Gas Anlagen werden 67 GW  benötigt. Zum
Vergleich:  Heute vorhandene Speicher 6,7 GW, im Wesentlichen in Form von
Pumpspeicherkraftwerken . 
 
Zu den weiteren wesentlichen Aussagen der Studie gehört, dass 
- die Verluste (195 TWh) zum größten Teil anderweitig energetisch als Wärme genutzt
werden können. Die vollständige Nutzung des als Hochenergiewärme anfallenden Teils, der
bei der Methanerzeugung entsteht, kann den deutschen Gasverbrauch um 20% reduzieren. Die übrige Wärme kann z.B.  von Heizungen genutzt werden. Von großem Vorteil ist dabei,
dass die Methanerzeugung auch mit kleinen Anlagen überall erfolgen kann und somit die
Wärme an den Stellen produziert werden kann, wo sie benötigt wird.
-  der zum Energiemanagement gehörende Strom vermutlich ganz oder teilweise für die
Versorgung von Elektroautos verwendet werden kann.
- die Verluste von Power to Gas ein großes Reduktionspotenzial besitzen. Der Wirkungsgrad
der Elektrolyse kann von heute (70 % ,  Zerlegung von flüssigem Wasser) auf weit über 90%
gesteigert werden, indem heißer Wasserdampf zerlegt wird. Die dazu erforderliche Wärme
kann die auf die Elektrolyse folgende Methanisierung liefern. Außerdem können für die
spätere Verstromung statt BHWs Brennstoffzellen verwendet werden, für deren
Wirkungsgrad keine thermodynamische Obergrenze existiert. Auch bei der Verstromung mit
heute üblichen Anlagen (Gas- und Dampfturbinen, GUD-Tech-nik ) ist mit Verwendung neuer
Materialien eine Wirkungsgraderhöhung zu erwarten.
 
Für die Umsetzung des Konzeptes müssen  Windräder (2000 Stunden Volllast) mit insgesamt
330 GW und Fotovoltaikanlagen mit insgesamt 170 GW installiert werden. Wenn die
Kurzzeitspeicher von heute 6,7 GW über den Bau von Batterien auf 100 GW steigen,
reduzieren sich diese Zahlen auf 300 GW und 155 GW.
 
Die Kosten der Umstellung sind überschaubar. Die Power to Gas Anlagen können vollständig
über den Erlös der Wärmenutzung finanziert werden, da sie Strom verwenden, der sonst
verloren gehen würde. Nach einer Umstellung  kostet im Jahr 2030 eine kWh direkt bei der
Erzeugung im Schnitt 7,3 Cent. Das bedeutet, wenn man die Verluste berücksichtigt, einen
Erzeugerpreis von 10,4 Cent pro an den Verbraucher gelieferte kWh. Dieser Preis ergibt sich
auch, wenn man für fossilen Strom heute 5,3 Cent/kWh annimmt und mit einer jährliche
Preissteigerung um ca. 4% rechnet. 
 
Was bedeutet dies für den Zubau von Anlagen ? Bei einer Realisierung bis 2030:  17 GW pro
Jahr beim Wind und knapp 10 GW bei der Fotovoltaik. Wenn weniger Windräder gebaut
werden können, kann dies durch einen größeren Zubau an Fotovoltaik kompensiert werden,
da der Bedarf an Power to Gas Anlagen  ZB  nur um ca. 3% ansteigt, wenn der
Solarstromanteil am Energiemix von einem Viertel (Idealfall) auf ein Drittel ansteigt.
 
Bei einer zügigen Realisierung der vorgeschlagen Umstellung der Stromversorgung entfallen
im Vergleich zu anderen Konzepten viele teure, vom Stromkunden zu bezahlende
Überlandleitungen mit ihren negativen Auswirkungen. Ein Netzausbau ist im Wesentlichen
nur noch auf  regionaler Ebene erforderlich.  
 
 
 

 





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